Druckbetankung im Haus Steinheim

Andreas BauerAndreas Bauer ist HR-Chef der Roto Gruppe, die mit weltweit 4.500 Mitarbeitern Tür- und Fensterbeschläge und Wohndachfenster produziert. Bauer hat die Ausbildung zum Business Coach in Haus Steinheim absolviert. Hier erklärt er, warum – und was ihn am Coaching so fasziniert.

Herr Bauer, was hat Sie im zarten Alter von 55 Jahren bewogen, eine Ausbildung zum Business Coach anzustreben?

Als HR-Chef bei Roto betreue ich ein um die Welt gespanntes Netzwerk aus 18 Personalleitern. Außerdem kümmere ich mich um die Entwicklung der ersten Führungsebene. Ich kann von mir sagen, dass ich eine ganze Menge Erfahrung und Wissen mitbringe, wenn es darum geht, Menschen, Teams und Karrieren zu fördern. Vor drei Jahren habe ich mich gefragt, was ich tun könnte, um mich selbst weiterzuentwickeln und weiter zu professionalisieren. Da bin ich beim Coaching gelandet.

Warum Steinheim?

Ich kenne das Haus Steinheim – und den Geist der dort wirkt – schon seit 20 Jahren. 1995 habe ich dort selbst Führungstrainings für meinen damaligen Arbeitgeber angeboten. Ich mag die Atmosphäre. Das ist das eine. Dann wusste ich, dass der Großteil der Teilnehmer aus der Industrie Baden- Württembergs kommen würde. Die anderen würden also einen ähnlichen Hintergrund haben wie ich. Auch das sprach fürs Bildungswerk. Und als ich dann beim Schnuppertag Dr. Thomas Koditek, den Seminarleiter, kennengelernt habe, war die Sache klar. Ich habe noch am gleichen Tag meine Anmeldung unterschrieben.

Offensichtlich hat der Lehrgang gehalten, was Sie sich von ihm erhofft haben. Sonst stünden Sie wohl nicht für dieses Interview zur Verfügung. Was haben Sie denn dazu gelernt?

Frappierend fand und finde ich nach wie vor, wie man als Coach dazu beiträgt, dass der Coachee die Antwort auf seine Frage selbst findet. Das ist überhaupt der wichtigste Leitsatz im Coaching: Der Gecoachte ist der Experte für seine Lösung. Für Personaler und Führungskräfte ist das manchmal schwierig.

Inwiefern?

Weil wir immer glauben, wir müssten die Lösung vorgeben. Schließlich sind wir ja die Chefs. Aber Coaching – und wirksame Führung – funktioniert anders: durch absichtsloses Fragen. Erst vorhin hatte ich ein Gespräch mit meiner Assistentin. Sie hatte einen Termin für mich angenommen, der mir nicht passte. Ich hab ihr gesagt, dass sie solche Termine beim nächsten Mal besser vorher mit mir abspricht. Nicht gut! Wäre ich achtsam gewesen, hätte ich ihr nicht meine Lösung oktroyiert, sondern sie gefragt: Warum hast du diesen Termin angenommen? Vielleicht hätte sie geantwortet: Weil ich dachte, das wäre ok. Warum, dachtest du, das sei ok? – Verstehen Sie? Noch zwei, drei Fragen weiter, und meine Assistentin hätte sich selbst erklärt, warum es in diesem Fall besser gewesen wäre, mich zu fragen. Beim nächsten Mal würde sie das tun. Aber nicht weil ich es so will, sondern, weil sie es so will. Das ist der Unterschied. Wenn es um Wichtigeres geht als um meinen Terminkalender ist dieser Unterschied entscheidend.

Der Lehrgang umfasst 14 Tage – reicht das denn aus, um hinterher Menschen in Konflikten und Entscheidungssituationen seriös zu helfen?

Das war schon eine Druckbetankung, was die Trainer da mit uns veranstaltet haben. Aber wir hatten zum Teil wirklich exzellente Dozenten. Außerdem waren es 14 Tage und sieben Nächte! Wir haben oft bis in den späten Abend zusammengesessen und die Themen des Tages vertieft. Zwischen den Seminaren haben wir uns in Lerngruppen getroffen. Wir haben kleine Hausaufgaben gemacht. Ich habe angefangen, Freunde und Bekannte zu coachen. Kurz: Ich fühle mich gut ausgebildet und ich bekomme gutes Feedback für mein Coaching.

Würden Sie mich coachen?

Warum nicht? Wenn Sie eine Frage haben, die Sie mit meiner Hilfe klären wollen, machen wir einen Termin.

 

Das Interview führte Steffen Sommer